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Die Pflanzen

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Als wir die ersten Pflanzen setzten gab es nicht einen Regenwurm im Boden und in den ersten drei Jahren ließ sich nicht ein Schmetterling blicken. Mittlerweile hat sich dies geändert. Eine Vielzahl von Schmetterlingen flattert nun durch den Garten, Hummeln, Honigbienen, Wildbienen von der großen blauen Honigbiene bis zur kleinen Sandbiene, Wespen, Schwebfliegen und alle Arten von Käfern brummen und krabbeln in den Beeten. Meisen sammeln die Läuse ein. Im Unterholz rascheln Spitz- und Feldmäuse, Amseln und Igel und der Boden lebt. Die Produkte der Agrochemie sind weitestgehend im Garten tabu. Gedüngt wird mit Kompost, die Rhododendren bekommen Guano und die Rosen und das Gemüse Hornspäne, Algenkalk und gelegentlich Urgesteinsmehl. Laub und Pflanzenreste bleiben bis zum Frühjahr auf den Beeten liegen. Gespritzt wird mit einer Ausnahme nicht. Einige der Rosen werden ein- bis zweimal im Jahr gegen Sternrusstau behandelt. Manchmal vergesse ich dies aber auch komplett.
Es wird auch kein Schneckenkorn im Garten verteilt - auch nicht Ferramol. Dies ist auch nicht nötig. Schnecken, auch die spanische Wegschnecken, fressen eigentlich lieber absterbendes Pflanzenmaterial. Sie gehen eher aus Verzweiflung an die Salatpflanzen. Gibt es nur genug Pflanzen und wird nicht manisch geputzt in den Beeten, so hat man auch kein Schneckenproblem. Und es muss natürlich auch genug einheimische Pflanzen geben. Letztendlich stellt sich ein ökologisches Gleichgewicht ein. Von dem Moment an, wo ich aufgehört habe Schnecken zu bekämpfen, hatte ich kein Problem mehr mit ihnen. Rittersporn, Salat, Hosta, Lupinen etc. haben niemals Fraßspuren und das seit Jahren nicht. Schnecken gibt es genug. Ich finde sie meistens, wenn ich die Vergißmeinnicht entferne.
Man liest jetzt viel über sterbende Bienen und Hummeln oder Vogelschwund. Beides kann ich in meinem Garten nicht beobachten. Im Gegenteil. Jedes Jahr entdecke ich neue Arten. Die Population der blauen Holzbiene nimmt stetig zu und dieses Jahr hatten wir ein Nest der dunklen Erdhummel im Schuppen. Davor nisteten dort Wespen. Die zweifarbige Schneckenhausbiene baut ihre Nester im Kiesgarten und auch im Gemüsegarten. Sie benötigt dafür leere Schneckenhäuser und tarnt ihre Kinderstube mit den Nadeln der Weymouth-Kiefer. Mittlerweile sammle ich für sie Schneckenhäuser. Daneben gibt es etliche andere Wildbienen-Arten wie fuchsrote Sandbiene und gehörnte Mauerbiene und die Honigbienen des Nachbarn. Dies sind die Arten, die ich sicher bestimmen kann. Es gibt winzige Wildbienen und ziemlich große. Bei Schmetterlingen ist die Bestimmung einfacher. Auch hier taucht jedes Jahr eine neue Art auf. Dieses Jahr war es der Kaisermantel. Die Veilchen zogen ihn wohl in den Garten. Diese sind die Futterpflanze der Raupen.
Und genau da liegt der Grund warum die Menschen immer weniger Insekten, Schmetterlinge oder Vögel beobachten. Sie schimpfen lieber auf die Landwirtschaft, dabei kann man als Gartenbesitzer sehr leicht etwas für die Erhaltung der Arten tun. Statt jeden Quadratzentimeter entweder zu pflastern oder mit Steinen zu zu schütten, sollte man Blumenbeete anlegen. Statt Rasen lieber eine Wiese. Statt Thuja, Scheinzypresse und Co lieber eine Buchenhecke oder gleich eine Hecke aus Wildsträuchern. Statt Forsythie, Harlekinweide, falschem Jasmin etc. lieber einheimische Sträucher. Bienen und Hummeln brauchen Futterpflanzen, d.h. Blüten mit Nektar und Pollen und passende Nistbedingungen. Schmetterlinge sieht man nur, wenn die Futterpflanzen der Raupen existieren. Vögel brauchen hohe Bäume, dichtes Gehölz, dichten Pflanzenwuchs und ebenfalls ausreichende Futterquellen. Dies kann man ihnen alles bieten und der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen, denn zu viel Ordnung ist hier kontraproduktiv. Eine Nisthilfe auf zu hängen oder eines dieser albernen Insektenhotels aufzustellen hilft der Natur nicht.
In meinem Garten lebt die blaue Holzbiene, weil sie genügend totes Holz zum nisten findet. Den Aurorafalter beobachte ich, weil in den Beeten Wiesenschaumkraut und Nachtviole wachsen. Viele Bienen und Hummeln brüten im Boden und brauchen dazu ungestörten Boden. Ständiges hacken und Unkraut jäten stört hier. Viele Schmetterlingsarten (vor allem die bekannten Prachtfalter wie Tagpfauenauge) benötigen Brennnesseln für die Raupen und ohne Raupe kein Falter. Durch die hohe Artenvielfalt, die vielen einheimischen Pflanzen, den dicht bepflanzten Boden, der selten bearbeitet wird, den Verzicht auf Kunstdünger und Spritzmittel, die Totholzecken und nicht entfernten Baumstümpfe, die hohen Bäume, dichten Hecken, Obst- und Beerengehölze hat sich der Garten über die Jahre in ein Rückzugsgebiet für viele Insekten und andere Tierarten entwickelt. Nicht nur Wildbienen und Hummel sondern auch viele Käfer, Spinnen, Schwebfliegen, Wespen und auch Hornissen z.B. leben hier.

kreuzspinne Tagpfauenauge wildbiene an camassia erdhummel an salvia argentea verbascum snow maiden

Die beliebtesten Pflanzen für Insekten, die Nektar und Pollen brauchen, sind dabei nicht unbedingt spektakulär. Gefüllte Blüten sind oft steril. An Forsythien sieht man übrigens keine Insekten, da diese keinen Nektar produzieren. Die Forsythie sollte wirklich aus den Gärten verschwinden zusammen mit den Kiesschüttungen und dem grauenhaften Kirschlorbeer 'Rotundifolia', den ich leider auch gepflanzt habe.
Die im Frühjahr am stärksten besuchte Pflanze ist die stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus). Sie beginnt sehr früh zu blühen (ab Februar) und ist einheimisch. Zur ihrer Blühzeit gibt es auch sonst kaum irgendetwas Blühendes in Natur und Gärten. Etwas später blüht die Kornelkirsche. Ebenfalls einheimisch und eine gute Nektar- und Pollenquelle. Die Früchte sind beliebt bei Vögeln. Im April/Mai ist dann eigentlich überall der Tisch ganz gut gedeckt. Obstbaumblüten und Raps decken hier den Bedarf. Dann wird es aber schon wieder kritisch für Biene und Co. Eigentlich wäre jetzt die Rosenblüte ihre Rettung, aber leider sind zu viele Rosen keine gute Nektar- und Pollenquelle mehr. Man sollte eher weniger Rosen mit gefüllten Blüten pflanzen. Neben den Wildrosen ziehen jetzt die Rosen 'Ghislaine de Féligonde`, 'Mozart' und 'Bobbie James' die meisten Bienen und Hummeln an. Sie sind auch sehr groß. Es wusselt regelrecht in ihren Blüten. Eine Pflanze, die zwar nicht einheimisch ist, aber unglaublich beliebt ist bei sehr, sehr vielen Insekten, ist Cotoneaster bullatus. Die kleinen, unscheinbaren Blüten müssen wirklich besonders lecker sein. Der Baum summt zur Blütezeit wie ein gigantischer Bienenstock. Wespen und Hornissen lieben die Blüten auch. Und die Vögel die Beeren. Nach der Rosenblüte retten die Kräuter die Bienen vor dem Verhungern. Salbei, Oregano, Ysop z.B.. Thymian blüht im Frühjahr und ist auch eine wichtige Nahrungsquelle. Königskerzen sind nicht nur attrative Ausrufezeichen in den Beeten, sie sind auch beliebt bei Wildbienen. Der Hochsommer ist immer etwas kritisch. Ich habe zwar die Karde angesiedelt, aber im August blüht auch bei mir nicht wirklich viel. Tomaten, Himbeeren, Topinambur und Sonnenhut. Erst mit Beginn der Astern- und Eisenkrautblüte sehe ich wieder sehr viele Insekten im Garten. Abgeräumt wird der Garten erst im Februar mit Beginn der Lenzrosenblüte. Dies erleichtert allen Lebewesen im Garten das Überwintern.

helleborus foetidus kirschblüte oregano ysop ghislaine de feligonde salvia mit holzbiene salvia officinalis
stinkende Nieswurz, Kirschblüte, Oreganoblüte, Ysopblüte, Rose 'Ghislaine de Féligonde', blaue Holzbiene an Muskatellersalbei, Wildbiene an Küchensalbeiblüten

Es wird gerne auf die Landwirtschaft geschimpft. Diese ach so bösen Landwirte sind meine Nachbarn, Freunde und Verwandten. Sie kämpfen um ihr Überleben und viele können von der Landwirtschaft nicht leben. Sie betreiben den Hof ihrer Vorväter im Nebenerwerb. Statt auf die Landwirte zu schimpfen, sollte man Bio kaufen, bereit sein für Lebensmittel mehr Geld auszugeben statt für den SUV und ansonsten vor der eigenen Haustür kehren. Gepflegter Rasen, Thujenhecke, sogenannte Kiesgärten, die mit Garten nichts zu tun haben, Forsythie etc. geben der Natur genauso wenig eine Chance wie die moderne Landwirtschaft. Blumen statt Deko sollte das Motto sein.

Created on ... August, 2017